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im trend der zeit - und das mit haltung

kölner stadtanzeiger nr. 261,
samstag/sonntag, 10./11. nov. 2001, s.34

vielseitiges programm, reduzierte formensprache:
thiess marwede und frank tebroke

die siebte folge unserer serie stellt ein team vor, das den dialog aus kunst und architektur pflegt.

von werner strodthoff

puristisch weiße wände gehören zum ästhetischen repertoire der beiden architekten thiess marwede und frank tebroke (tm + ft). kein wunder, zählen zumal auch künstler, galeristen und sammler zu ihren auftraggebern - und das schon seit jahren. klare raumschnitte mit ruhigen wandflächen, eine vom schnickschnack befreite formensprache geben der kunst, was der kunst ist. im übrigen aber gehört es zu den grundsätzen des teams (und zur überlebenstrategie der archtektenzunft), sich "schnellmöglich auf die bedürfnisse wechselnder auftraggeber ein- und umzustellen", wie marwede freimütig sagt.
das umstandslos-ehrliche bekenntnis zu schillernder multikreativität wirkt umso sympatischer, als es den in solchen fällen noch immer allzu rasch keimenden verdacht chamäleonhafter beliebigkeit mit jungenhaft entwaffnender direktheit unterläuft und als wirklichkeitsfremd abweist. dogmen sind bei thiess marwede, der 1958 bei bonn geboren wurde, und bei frank tebroke, der 1966 in bocholt-borken das licht der welt erblickte, nicht gefragt. derlei würde sich für das seit 1998 gemeinsam geführte büro in der merlostraße im agnesviertel auch nur als fessel erweisen beim mutigen versuch, das weite spannungsfeld aus architektur, innenraumgestaltung, grafik, design,"eventplanung" und modellbau erfolgreich auszumessen. flexibilität setzt beweglichkeit voraus und das bedürfnis frei, "so viel wie möglich zu kennen, was man nicht machen sollte - woraus dann reduktion ganz von selbst entsteht", wie thiess marwede meint. allerdings sollte das "element von sinnlichkeit auch in einem minimalistischen kontext nicht fehlen".
eine überzeugung, die die gewitzten minimalisten nicht nur bei einem ihrer prominentesten bauherren, dem kölner maler gerhard richter, in dreidimensionale realität umzusetzen verstand. für den welt-künstler richter entwarfen sie 1995 (seinerzeit noch im rahmen einer projekt-partnerschaft) in köln-hahnwald atelier und "gartenhaus" - letzteres streng achsial gegliedert, kreuzförmig (richter selbst hatte die idee zum griechischen kreuz), aus weiß geputzten massiven mauerwerk mit leicht geneigten zinkdachpatien und hohen fenstertüren, deren laibungen alu-läden aufnehmen. auch die sparsame möbilierung der räume folgte tm + ft- design.

das "entwerfen unsichtbarer details, die im räumlichen zusammenhang die architektur zum schwingen bringen", sei motivation und herausforderung, sagen beide. und ihre arbeit stelle sich " oft als eine gradwanderung zwischen zeitgenössischer kunst und aktuellem zeitgeist in der architektur dar". So war es schon, als thiess marwede ( der 1986 an der fh köln diplom machte, dann ein jahr in venedig studierte und drei monate lang bei peter eisenman in new york hosptierte) 1983 für den galeristen paul maenz ein hinterhof-loft an der kölner bismarckstraße zur galerie umwandelte - damals eine initialzündung, " um ins geschäft zu kommen".
es folgten - zunächst im alleingang, später mit frank tebroke, der an der rwth aachen 1993 diplom gemacht und sich ebenfalls am canal grande den letzten schliff geholt hatte - diverse andere innenraumgestaltungen, bürokonzepte (u. a. für rtl plus), künstlerateliers (1993 für isa grenzken), galerie- und privaträume (gegenwärtig für den galeriesten karsten greve, köln), Lückenbebauungen, arztpraxen, friseursalons, wohnhäuser. projektstudien für besucherzentren großer industrieunternehmen werden ebenso entwickelt wie das design für kleine cafe-bars vom schlage etwa des "era" an kölns kettengasse.
"kommunikative zonen" haben es frank tebroke und thiess marwede angetan. die sinnlich grundierte rationalität, die undogmatische frische, mit der sie zu werke gehen, wirkt belebend und ansteckend.

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